Wenn Kosmetikprodukte plötzlich die Haut irritieren. 5 Fakten, die Sie kennen sollten.

Sie sorgen für ein frisches, strahlend schönes und rundum gepflegtes Aussehen. So lautet zumindest das Versprechen vieler Kosmetikprodukte und die meisten von uns sind gerne bereit,  dem zu glauben und dafür mitunter tief in die Tasche zu greifen. Doch immer mehr Menschen müssen mit Erschrecken feststellen, dass gewisse Kosmetika bei ihnen plötzlich das genaue Gegenteil verursachen. Wer von juckenden Stellen, Rötungen oder gar Schwellungen geplagt wird, sollte Tagescreme, Lippenstift & Co. als mögliche Auslöser nicht außer Acht lassen. Denn bestimmte Inhaltsstoffe können eine sogenannte Kontaktallergie hervorrufen, auch wenn das Produkt bisher gut vertragen wurde.

Wir zeigen auf, welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sein könnten und wie Sie bei einem derartigen Verdacht reagieren sollten.

1. Kontakt- und Kosmetikallergien haben zwei verschiedene Gesichter

Wer eine Überreaktion seiner Haut auf Kosmetika beobachtet, leidet entweder an einer sogenannten Kontaktallergie oder an einer Kosmetikallergie. Eine Kontaktallergie tritt nur dort auf, wo eine gewisse Substanz direkt mit der Haut in Berührung kommt. Durch das Allergen reagiert die Haut, indem die betroffenen Stellen stärker durchblutet werden und anschwellen. Die Abwehrzellen sind in Alarmbereitschaft und die Haut juckt.

Etwas anders äußert sich die Kosmetikallergie. Da sie erst Stunden oder sogar Tage nach dem Kontakt mit einem bestimmten Inhaltsstoff auftritt, spricht man in diesem Fall auch von einer sogenannten Spättyp-Allergie. Vom Erscheinungsbild her kann sie auch einem Sonnenbrand ähneln.

Bei beiden Varianten entwickelt das Immunsystem Antikörper gegen einen bestimmten Stoff. Die Folge: Es interpretiert jeden Kontakt mit diesem Inhaltsstoff als Angriff und zeigt eine allergische Reaktion. Herauszufinden, welcher Inhaltsstoffe nicht vertragen wird, ist dabei oft gar nicht so einfach. Denn beim Erstkontakt zeigt die Haut noch keine Veränderung. Erst wenn man zum wiederholten Mal die Haut mit einem bestimmten Auslöser in Berührung bringt, tritt diese auf.

Warum Kontaktallergien ganz plötzlich auftreten können

Kontaktallergien entstehen in zwei Schritten. Zuerst findet eine Sensibilisierung gegen einen Stoff statt. Dieser Prozess dauert in den meisten Fällen Jahre. Das ist auch der Grund, warum Kontaktallergien bei Kindern unter zehn Jahren nur selten anzutreffen sind. In dieser Zeit beginnt das Immunsystem damit, den auslösenden Stoff als Gefahr einzustufen. Irgendwann jedoch startet es bei direktem Hautkontakt eine Abwehrreaktion, obwohl der Hautkontakt unter Umständen schon nicht mehr besteht. Wurde eine Sensibilisierung erst einmal erworben, bleibt sie in der Regel ein Leben lang bestehen.

2. Die häufigsten Auslöser sind Duft- und Konservierungsstoffe

In den meisten Fällen reagieren Betroffene auf folgende Stoffe in Kosmetikprodukten mit einer allergischen Reaktion:

  • Duftstoffe,
  • Konservierungsmittel (Parabene) und
  • chemische UV-Filter.

Doch das bedeutet nicht, dass beispielsweise Parabene grundsätzlich verpönt werden sollten. Sie werden seit Jahrzehnten als Konservierungsmittel verwendet – nicht nur in Kosmetika, sondern auch in Medikamenten. Aufgrund ihrer antibakteriellen Wirkung halten sie die Mittel frei von Krankheitserregern. Ohne Parabene wären Kosmetika wie Bodylotions oder Sonnenschutzmitteln deutlich kürzer haltbar und müssten im Kühlschrank aufbewahrt werden. Außerdem gelten sie grundsätzlich als gut hautverträglich. Wenn jedoch ein Produkt zu viel von diesem Inhaltsstoff enthält, kann es zu einer Überreaktion der Haut kommen.

Gleiches gilt für Duftstoffe. Neben Nickel gehören Duftstoffe zu den häufigsten Auslösern einer Kontaktallergie. Meistens handelt es sich dabei um eine sogenannte Kontaktallergie des Typ IV bzw. Spättyps. Die Haut zeigt also auch hier erst nach einer gewissen Zeitverzögerung – zum Beispiel einige Stunden bis Tage später – eine überempfindliche Reaktion. Häufiges Symptom ist ein Juckreiz auf der Haut.

Besonders belastend für Duftstoff-Allergiker ist die Tatsache, dass die Allergene überall stecken. Nicht nur in Kosmetika, sondern auch in Putzmitteln, Raumdüften und sogar in Lebensmitteln. Die Kosmetikindustrie hat in den letzten Jahren jedoch reagiert. Heute wird Betroffenen ein breites Sortiment an duftstofffreien Produkten angeboten, auf die sie zurückgreifen können.

Vermerke wie „parfumfrei“ oder „ohne Duftstoffe“ weisen auf solche Produkte hin.

Auch synthetisch hergestellte Lichtschutzfilter stellen für viele Menschen ein Risiko dar. Inhaltsstoffe wie Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenone absorbieren UV-Strahlen, indem sie mit der Haut reagieren und das Licht in Wärme und Infrarotstrahlen umwandeln. So verhindern sie zwar einen Sonnenbrand, aber die Reaktion, die auf der Haut abläuft, hat leider in manchen Fällen Nebenwirkungen. Dabei können nämlich neue Molekülverbindungen entstehen, die Allergien hervorrufen.

UV-Filter zu meiden, stellt sich oftmals als gar nicht so einfach heraus. Sie stecken nicht nur in klassischen Sonnenschutzmitteln, sondern auch in etwa 90 Prozent aller herkömmlichen Tagescremes. Ebenso wie in Lippenstiften und Parfums. Auch bei Flüssigseifen, Duschgels und Shampoos, die in durchsichtigen Glas- oder Kunststoffverpackungen angeboten werden, sorgen synthetische UV-Filter dafür, dass Farb- und Duftstoffe trotz Lichtkontakt stabil bleiben.

Warum chemische UV-Filter häufiger Allergien auslösen als mineralische

Wer sich vor intensivem Sonnenlicht schützen möchte, kann auch auf Naturkosmetik zurückgreifen. Sie gilt als wesentlich verträglicher, weil sie auf mineralische anstelle von chemischen Filtern setzt. Zur Erklärung: Chemische UV-Filter dringen in die äußere Schicht der Oberhaut ein und wandeln die UV-Strahlen dort in Wärme um. Das Problem: Damit sie in beiden UV-Bereichen (UVA & UVB) wirken und obendrein noch eine hohe Schweiß- und Wasserstabilität aufweisen, werden meist verschiedenste chemische Lichtschutzfilter kombiniert. Mit ihrer Anzahlt steigt allerdings auch das Allergie-Risiko. Mineralische Filter hingegen legen sich mit Hilfe kleiner Partikel aus Zink oder Titanium wie viele kleine Spiegel auf die Hautoberfläche und reflektieren das Sonnenlicht.

3. Auch Naturkosmetik kann Allergien hervorrufen

Es gibt zwar keine einheitliche Definition oder rechtlich verbindliche Standards für Naturkosmetik, aber grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass solche Produkte nur oder zumindest hauptsächlich Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs enthalten. Da die Hersteller von Naturkosmetik weitestgehend auf künstliche Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe verzichten, sind diese Kosmetika in der Regel besser verträglich. Typische Grundzutaten sind Öle, Fette und Wachse, zum Beispiel Sheabutter, Mandelöl oder Bienenwachs. Als Wirk- und Duftstoffe dienen ätherische Öle, natürliche Aromen sowie Kräuter- und Blütenextrakte. Doch auch sie können Allergien hervorrufen.

So reagiert etwa jeder Fünfzigste im Allergietest auf das Bienenprodukt Propolis allergisch. Speziell als Pollenallergiker sollten Sie auf Produkte mit Bienenwachs lieber verzichten.

Auch Duftstoffe – selbst wenn sie natürlichen Ursprungs sind – können ein Allergieauslöser sein. Einer der am häufigsten verwendeten, allergenen Duftstoffe ist Geraniol. Er sorgt für einen meist blumigen Geruch und wird unter anderem aus Rosen oder Geranien gewonnen. Manchmal auch aus Muskat, Thymian, Lorbeer oder Koriander.

Weit weniger verbreitet sind Reaktionen auf Kräuter- und Blütenessenzen. Aber sie kommen vor. Über 300 Pflanzenarten können bei einer entsprechenden Sensibilisierung eine Kontaktallergie auslösen, darunter Kamille, Arnika, Ringelblume (auf Verpackungen häufig unter dem Begriff Calendula angegeben), Eukalyptus, Vanille, Zimt, Zitrusfrüchte, Teebaumöl oder Schafgarbe. Sie werden meist in Form ätherischer Öle als Duftstoff oder Konservierungsmittel eingesetzt und können Hautreizungen hervorrufen. Manche Betroffene haben auch beobachtet, dass  Bestandteile von Johanniskraut oder Zitrone ihre Haut empfindlicher gegenüber Sonnenbestrahlung macht.

Dennoch sind viele Hautärzte davon überzeugt, dass der Griff zu Naturkosmetik Sinn macht. Denn der Mensch bzw. seine Haut kann natürliche Substanzen leichter verstoffwechseln. Der Körper kann also mit diesen Inhaltsstoffen besser umgehen.

4. Bei Kosmetik- und Kontaktallergien hilft nur ein Produktwechsel

Für Kosmetik- und Kontakallergien gilt: sie sind nicht heilbar. Die einzige Möglichkeit für Betroffene besteht darin, das Allergen konsequent zu meiden. Doch das ist in vielen Fällen einfacher gesagt als getan. Sollten Sie jedoch plötzlich unter Juckreiz, Hautrötung, Bläschen oder Schwellungen leiden, überlegen Sie in einem ersten Schritt, ob Sie in letzter Zeit eines Ihrer Kosmetikprodukte gewechselt haben. Wenn ja, sollten Sie darauf lieber wieder verzichten. Wenn sich trotzdem keine Besserung einstellt, empfiehlt sich in jedem Fall ein Besuch beim Hautarzt.  Sollte er einen bestimmten Allergieauslöser identifiziert haben, gilt es, ab sofort aufs Kleingedruckte jeder Kosmetika-Verpackung zu achten.

5. Allergene Inhaltsstoffe finden sich auf der Verpackung

Seit Ende 1997 müssen die Inhaltsstoffe kosmetischer Produkte in allen Ländern der EU einheitlich gekennzeichnet sein. Grundlage bildet die so genannte „INCI-Nomenklatur“ (International Nomenclature Cosmetic Ingredients), die für den Konsumenten ein möglichst hohes Maß an Klarheit und Transparenz schafft. Besonders Allergikern gibt diese Verordnung die Möglichkeit, ein Produkt – und zwar Kosmetika ebenso wie Wasch- und Reinigungsmitteln – vor dem Kauf auf bedenkliche Inhaltsstoffe zu prüfen.

Das Problem: Im Gegensatz zu den anderen Inhaltsstoffen müssen Duftstoffe nicht einzeln angegeben werden, sondern können unter dem Begriff Parfüm oder Aroma zusammengefasst werden. Um Allergiker zu schützen, gibt es jedoch für 26 natürliche und synthetische Duftstoffe mit besonders hohem Allergiepotenzial eine Kennzeichnungspflicht. Ist einer dieser Stoffe im Produkt in einer bestimmten Menge enthalten, muss auf der Verpackung darauf hingewiesen werden.

Konkret gilt das unter anderem für Citral, Farnesol und Linalool. Weitere Allergieauslöser mit hohem Sensibilisierungspotential sind Eichenmoosextrakt (Evernia Prunastri Extract), Baummoosextrakt (Evernia Furfuracea Extract), Lyral (Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyde) oder Muskatnussöl Isoeugenol.

Als mögliche Allergieauslöser mit mittlerem Sensibilisierungspotential wurden beispielsweise Zimtaldehyd (Cinnamal), Zimtalkohol (Cinnamyl Alcohol), Zitronenöl bzw. Lemongras (Citral) eingestuft.

Aber Vorsicht: Diese Deklarationspflicht bringt Duftstoffallergikern keine absolute Sicherheit. Denn die Inhaltsstoffe müssen nur angegeben werden, sofern sie eine gewisse Konzentration überschreiten.

Wer Parabene meiden sollte, findet diese auf den Verpackungen unter Namen wie Methyl-, Ethyl-, Propyl- und Butylparaben wieder.

Chemische UV-Filter in Sonnen- oder Tagescremen verbergen sich meist hinter langen, komplizierten Namen. Im Verdacht, allergische Reaktionen auszulösen, stehen dabei unter anderem Benzophenone-3, Benzophenone-4, Benzophenone-5, Methylbenzylidene Camphor, Ethylhexyl Dimethyl PABA, Homosalate, Octocrylene oder Octyl Methoxycinnamate.

Bei Beauty-Produkten immer aufs Kleingedruckte achten

Die gute Nachricht lautet: Ähnlich wie bei verpackten Lebensmitteln müssen auch bei Kosmetikprodukten alle Bestandteile auf der Verpackung angeben werden. Doch für Konsumenten stellt es oft eine große Herausforderung dar, das kleingedruckte Wirrwarr an chemischen Begriffen zu verstehen und Gut von Böse zu unterscheiden. Spezielle Apps (z. B. CodeCheck, Toxfox) können Ihnen dabei helfen. Wenn ein Kosmetikprodukt Hautirritationen oder Schlimmeres hervorruft, sollten Sie den Rat eines Arztes einholen und das verdächtige Produkt zum Arztbesuch mitnehmen. Er kann Ihnen erklären, welche Inhaltsstoffe ein Auslöser sein könnten.

Fazit

Weder der Preis noch Bio-Gütesiegel oder Naturkosmetik-Label sagen tatsächlich etwas darüber aus, welche Produkte für Ihre Haut am besten verträglich sind. Vielmehr sollten Sie die Wahl der Kosmetikartikel davon abhängig machen, welcher Hauttyp Sie sind und welche Produkte  einen echten Wohlfühleffekt auslösen. Zwar ist es durchaus verständlich, dass immer mehr Menschen auf Naturkosmetik zurückgreifen, weil sie chemische Inhaltsstoffe meiden oder einen Beitrag zum Tier- und Umweltschutz leisten wollen. Doch auch natürliche Substanzen können Allergien auslösen.

Sollten Sie selbst betroffen sein und eine Überreaktion Ihrer Haut feststellen, verzichten Sie umgehend auf das Produkt. Gehen Sie sparsam mit Seife um und klären Sie beim Dermatologen die Ursache ab, falls keine Besserung eintritt. Ist der Auslöser identifiziert, können Sie auf Alternativ-Produkte oder allergiefreie Kosmetik ausweichen. Die Auswahl an Kosmetika für Allergiker ist groß und nur weil Sie eine Kontakt- oder Kosmetikallergie haben, müssen Sie noch lange nicht auf Cremes, Lotions, Parfum oder Make-up verzichten.